Dienstag, 7. August 2012

A te numquam separari permittas...

Ich habe bislang noch gar nichts zum Titel dieses Blogs gesagt, und da passt es ganz gut, dass mir kürzlich in diesem Zusammenhang sowieso etwas aufgefallen war, was mich nachdenklich gemacht hat.

Der Vers "A te numquam separari permittas" ist dem Schott entnommen, er steht in der tridentinischen Liturgie vor der Kommunion des Priesters und bedeutet "Und lass nicht zu, dass ich mich jemals von dir trenne". Es ist ein Gebet, das der Priester still für sich verrichtet, und wir Gläubigen können uns mit diesen Gedanken vereinen.

Der komplette Abschnitt an dieser Stelle lautet:

Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes: dem Willen des Vaters gehorsam, hast du unter Mitwirkung des Heiligen Geistes durch deinen Tod der Welt das Leben geschenkt: erlöse mich durch dieses dein hochheiliges Fleisch und Blut von allen meinen Sünden und von jeglichem Übel. Gib, dass ich deinen Geboten allzeit treu bleibe, und lass nicht zu, dass ich mich jemals von dir trenne; der du mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geiste lebst und herrschest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Der Genuss deines Leibes, Herr Jesus Christus, den ich Unwürdiger zu empfangen wage, gereiche mir nicht zum Gerichte und zur Verdammnis, sondern durch deine Güte zum Schutz für Leib und Seele und zu meiner Heilung: der du lebst und herrschest mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Schon als ich diese Verse das erste Mal gelesen habe, in meiner ersten Hl. Messe im tridentinischen Ritus, hat mich ihre Tiefe sehr beeindruckt, und insbesondere der Satz mit dem "Nicht zulassen, dass ich mich jemals trenne" hatte es mir angetan.

Denn DAS ist mir wichtig. Ich weiß nicht, wie mein Weg weitergeht, ich empfinde ihn als schwer und steinig und mühsam, aber bitte, ich möchte mich niemals mehr von Gott trennen... insbesondere in meiner Todesstunde bitte ich um die Gnade, mit Ihm vereint zu sein...

Auch in den paar Jahren, wo ich mich vom "strengen" katholischen Glauben wieder etwas entfernt hatte und so sein wollte wie die "normalen" Katholiken in meiner nächsten Umgebung, hatte ich, wenn ich - sündhafterweise - an der Hl. Kommunion teilgenommen habe, immer diesen Satz vor Augen sowie, dass es nicht zu meiner Verdammnis sein möge, sondern zu meinem Heil. Diese beiden Sätze habe ich jedes Mal für mich gebetet, und ich habe mich an sie geklammert wie an einen letzten Strohhalm...

Umso verwirrter war ich kürzlich, als ich irgendwo - ich weiß nicht mehr wo - eine gänzlich andere Formulierung gefunden habe:

"Lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde".

Ich stutzte. Denn das ist etwas völlig anderes.

Und ich habe inzwischen ins Gotteslob geschaut, und tatsächlich steht dort an derselben Stelle des stillen Gebets des Priesters vor der Kommunion:

Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, dem Willen des Vaters gehorsam, hast du im Heiligen Geist durch deinen Tod der Welt das Leben geschenkt. Erlöse mich durch deinen Leib und dein Blut von allen Sünden und allem Bösen. Hilf mir, dass ich deine Gebote treu erfülle, und lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde.

Seitdem frage ich mich: Wieso hat man diese wichtige Bitte in ihrer Bedeutung so sehr verändert? Wieso hat man den Menschen seiner Verantwortung beraubt? Warum tut man so, als sei es äußeres Zutun, was uns von Gott trennen könnte, obwohl es doch IMMER unsere eigene freie Entscheidung ist und bleibt?! Ich verstehe das nicht.

Wie könnte man - passiv - von Gott getrennt werden?
Sicher, man könnte irgendwo wohnen, wo es lebensgefährlich wäre, den Glauben offen zu leben. Aber trennt mich das im Herzen von Gott, wenn ich es nicht möchte? Ich kann mir keine äußeren Umstände vorstellen, die mich - passiv - von Gott trennen. Wie sollen diese aussehen? Egal, was passiert, egal, was ich ggfs. unter Folter und aus Angst sagen würde, aber in meinem Innern kann ich mich doch nur aktiv von Gott trennen?

Mit der neuen Formulierung wird so getan, als liegt diese Trennung von Gott außerhalb unserer Verantwortung, als seien wir nicht schuld daran, wenn es passiert, und hätten nur passiv zugeschaut.
Nein, eine Trennung von Gott müsste aktiv von mir selbst ausgehen, sei es durch bewussten Glaubensabfall, sei es schleichend durch Nicht-Beschäftigung mit Glaubensdingen, aber immer obliegt es mir selbst, ob ich mich trenne oder nicht.

Damit möchte ich keineswegs abstreiten, dass der Glaube ein Geschenk und eine große Gnade ist, und dass wir täglich um ihn kämpfen müssen und uns als treu erweisen, aber es ist trotzdem unser eigenes Zutun, ob wir uns von Gott trennen.

Darum bitte ich immer noch: A te numquam separari permittas... ;-)

Kommentare:

  1. Nur ein kleiner Hinweis: das lateinische "separari" lässt beide Übersetzungen zu: "sich trennen" und "getrennt werden".

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  2. Vielen Dank für den Hinweis, ich hab mich seit der Schule nicht mehr mit Latein beschäftigt...

    Seltsamerweise wird auf Wikipedia aber auch für den alten Ritus aktiv und für den neuen Ritus passiv übersetzt: http://de.wikipedia.org/wiki/Kommuniongebet#R.C3.B6misch-katholische_Kommuniongebete

    Anders liest es sich in einer alten Predigt zu einer Subdiakonenweihe von Erzbischof Lefebvre (http://www.fsspx.at/index.php?option=com_content&view=article&id=9&Itemid=10&show=130, fand ich grad beim Googlen):
    "Im Gebet vor der heiligen Kommunion spricht der Priester die Worte: „... et a te numquam separari permittas – erlaube nie, daß ich mich von Dir trenne!” Das muß heute Ihr Entschluß sein, die Reinheit Ihres Willens und die Reinheit Ihres Herzens: „Möge ich niemals, o mein Gott, von Dir getrennt werden!“"

    Ich finde aber immer noch, dass es einen Unterschied macht, ob ich das als aktives Tun meinerseits formuliere oder als etwas, was passiv mit mir geschieht. Mmmmh...

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    1. Das ist aber höhere Theologie (und da muss ich jedenfalls passen:-). Und wie man sieht, konnte sich nicht mal Erzbischof Lefebvre entscheiden.

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